Englischtraining für Kinder mit Legasthenie oder Lese-/Rechtschreibschwäche (LRS)

Warum beeinflusst die Legasthenie bzw. eine Lese-/Rechtschreibstörung auch das Erlernen einer Fremdsprache?

Die Konfrontation bzw. die erste Begegnung mit der Fremdsprache Englisch erfolgt in der Regel bereits in der Grundschule. Hier werden die Kinder spielerisch und in der Regel nur verbal an die Fremdsprache herangeführt.

Englischtraining bei Legasthenie oder Lese-/RechtschreibschwächeAb der 5. Klasse steigen die Anforderungen dann jedoch gewaltig. Hier wird die korrekte Schreibung der erlernten Vokabeln verlangt und diese entscheidet sogar über Erfolg und Misserfolg in den Klassenarbeiten. Genau diese Anforderungen aber bereiten den legasthenischen Kindern aber schon erhebliche Schwierigkeiten im Umgang mit der Muttersprache.

Insofern ist die Befürchtung, dass die Übertragung einer gänzlich fremden Sprache in ein dazu noch gänzlich unbekanntes und allem Anschein nach höchst undurchschaubares Rechtschreibsystem das Kind vor eine unlösbare Aufgabe stellt, nicht unbegründet.

In der Tat erleben wir in unserer täglichen Praxis sehr häufig, dass das legasthenische Kind – je nach individueller Voraussetzung – durchaus Schwierigkeiten Erfahrungen mit der fremden Sprache und ihrer fremden Orthografie hat.

Das legasthenische Kind, das schon in der Muttersprache enorme Probleme hat, z.B. ein Wort wie Stuhl, Schtul, sdul, schdull, richtig zu schreiben, ist nun vor folgendes Problem gestellt:

In der englischen Sprache entspricht der Klang der Wörter in der Regel nicht der Schreibweise. Zudem sind die Laute, die in der englischen Sprache verwendet werden, für das Kind zum Teil unbekannt. Man denke an ein Wort wie „chair“, „tschäir“ gesprochen. Die Verbindung zwischen Klang, Lautbild und Schreibweise stellt ein legasthenisches Kind vor unlösbare Probleme. Zusätzlich muss das Kind dem neuen Wort auch noch eine Bedeutung zuordnen, es muss also lernen, dass chair – Stuhl bedeutet.

Die gelungene Koppelung von Lautfolge und Wortbild mit der Wortbedeutung stellt die tatsächliche Verfügung über die Vokabel her. Für das lese-rechtschreibgestörte Kind aber sind Wortklang und seine Schreibung zwei Welten, zwischen denen es keine Verbindung findet.

An dieser Stelle muss eine Therapie für Kinder mit Legasthenie oder LRS im Fach „Englisch“ ansetzen. Es geht nicht darum, den für das Kind höheren Lernaufwand durch mehr Lernen zu kompensieren, sondern es geht darum, das „Was“ und das „Wie“ des Erlernens der Fremdsprache für jedes Kind im Einzelnen zu definieren.

Wir halten dabei – wie auch bei unseren anderen Leistungen – einen ganzheitlichen Ansatz bei der Konzeption der Therapie für unerlässlich für den Erfolg der Therapie. Es ist deswegen wichtig, das Umfeld des betroffenen Kindes in die Entwicklung der Therapie einzubeziehen. Eine besondere Bedeutung kommt dabei den Lehrern, den Eltern, den behandelnden Kinderärzten und Kinderpsychologen zu. Wir benötigen deswegen zu Beginn der Therapie Zugang zu den Diagnosematerialien und zu Schlüsselpersonen im Umfeld des Kindes. Gemeinsam wird ein Therapieplan erstellt, der die unterschiedlichen Perspektiven integriert.

Regelmäßige Eltern- und Lehrergespräche sind Teil jeder Therapie. Dabei werden Therapieinhalte und –fortschritte besprochen und die Eltern bekommen Hinweise zum besseren Umgang mit dem Kind und seiner Situation.